Individualisierung von Produkten

bikeEin Beispiel: Wenn man früher morgens auf dem Weg zur Arbeitsstelle beim beliebigen Bäcker stoppte, brauchte man keine Sekunde lang überlegen und die simple Order lautete: „Einen Kaffee, bitte“. Heute steht Kaffee in verschiedenen Geschmacksrichtungen zur Auswahl, aus unterschiedlichen Anbauregionen der ganzen Welt, auch in Bio-Qualität. Hierzu sind neben Milch und Zucker diverse Zusätze wie Gewürze und Aromen zu bestellen. Der Kaffee kann in Tassen und Bechern von unterschiedlichsten Dimensionen serviert werden. Und zwischen einem Keks und einem Schokoladenstück dazu muss man auch noch wählen. Bis der Kaffee auf dem Tisch steht, muss man zahlreiche Fragen der geduldigen Bedienung beantworten und Entscheidungen treffen. Erst wenn man endlich weiß, was man will, kann man sich über den „eigenen“ Kaffee freuen.

Der Ladenbesitzer darf auch zufrieden sein, sein Ziel dabei erreicht zu haben. Er bietet seinen Kunden Produkte in vielfältiger Auswahl mit vielen zusätzlichen Serviceoptionen, sodass im Endeffekt nur individualisierte Bestellungen realisiert werden. Auch wenn es sich dabei um den alltäglichen Kaffee handelt, beschert ihm diese Strategie einen beachtlichen ökonomischen Erfolg. Seine Kunden fühlen sich mit ihren individuellen Bedürfnissen ernst genommen. Und sie kommen deshalb immer wieder. So funktioniert die Individualisierung von Produkten, die scheint aber, etwas mehr als nur noch eine Marketing-Maßnahme zu sein. Hier zeigen wir, was sie an sich hat und warum auch Kleinunternehmer davon profitieren können.

Individualisierte Gesellschaft

Bereits am Anfang des vorigen Jahrhunderts haben Werbeagenturen das Alleinstellungsmerkmal „erfunden“. Seitdem ist der Wettbewerbsmarkt umso mehr durch den Zwang bestimmt, ein einzigartiges Produkt anzubieten. Man musste sich sogar bereits in der Phase der Produktentwicklung auf die Suche nach Marktnischen begeben, um sich von der Konkurrenz abzuheben und Kunden zu gewinnen. Heute will man jedoch mehr. Als Kunde findet man darin Gefallen, durch beim Kauf angebotene zusätzliche Optionen, Services und Leistungen ein möglichst personalisiertes Produkt zu erhalten, das nicht nur eigenen Wünschen sehr genau entspricht, sondern auch wirklich in dieser Form ein einzig existierendes Exemplar ist.

Darin sehen Zukunftsforscher einstimmig einen alle unsere Lebensbereiche zunehmend betreffenden Trend. In einer heutigen modernen Gesellschaft gewinnt zentrale Bedeutung jener Wunsch, einen individuellen Lebensentwurf fern von vorgeschriebenen normierten Modellen zu realisieren. Die Wahlfreiheit bedeutet auch, dass man stets flexibel bleibt und in der Suche nach neuen Entwicklungsmöglichkeiten Arbeitsstellen, Berufe, Lebensorte, Hobbys, Partner und Familien wechselt. Es gibt eben nicht mehr den besten oder den schlechtesten Bildungs- und Lebensweg, sondern verschiedene Wege, die stets zu neu gesetzten persönlichen Zielen führen. Dass sich diese Verhaltensmuster der potenziellen Kunden auch in ihren Kaufentscheidungen widerspiegeln, haben Marktforscher und Marketing-Spezialisten zu Recht erkannt. Große Unternehmen profitieren bereits von diesen Erkenntnissen.

Von den Großen lernen

Das oberste Prinzip des Marketings: eine Zielgruppe genau zu definieren, um sie mit einem Produktangebot und Werbung gezielt anzusprechen, muss heute deshalb relativiert werden. Heutzutage werden Kunden nämlich in die Produktentwicklung und den Herstellungsprozess selbst einbezogen. Bewusst werden ihnen neuartige Möglichkeiten, darunter moderne Technologien zur Verfügung gestellt, damit sie nicht nur das gewünschte Endprodukt selber designen, sondern auch in vielen anderen Hinsichten einen Einfluss auf die Produktentstehung ausüben können.

Dabei, etwa bei Crowdsourcing-Aktionen, sind Mechanismen zu beobachten, die zur Identifizierung mit dem Produkt und ferner zu der gewünschten emotionalen Bindung von Kunden führen. Mit einem 3D-Drucker kann ein neuartiges Produkt auf Wunsch per Knopfdruck hergestellt und paradoxerweise zu einem gelungenen Prototyp für die Massenproduktion werden. Individualisierung bedeutet schließlich, dass Daten aus Konten bei den sozialen Netzwerken dafür genutzt werden, spezielle Angebote maßgeschneidert zu den angegebenen Hobbys und Vorlieben zu unterbreiten. Nicht ohne Bedeutung bleibt die Tatsache, dass z.B. für ein Auto mit individuell ausgesuchten Sitzbezügen und vielen Extras sein künftiger Nutzer in der Lage ist, deutlich mehr zu bezahlen.

Eine Idee für Kleinunternehmen

Was die großen Unternehmen in Bezug auf ihre Premiumprodukte einwenden, kann aber durchaus auch für viele Kleinunternehmer sinnvoll sein. Eine der einfachsten und nach wie vor bei zahlreichen Kunden sehr beliebten Ideen, zeitgemäße Gestaltungsfreiheit zu ermöglichen, stellt z.B. der Textildruck dar. In Wirklichkeit kann alles, was sich bedrucken lässt – und das ist ziemlich viel – schnell und unkompliziert mit eigenen Fotos oder grafischen Entwürfen von jeden Kunden individualisiert werden. Neben den bereits beliebten T-Shirts, Puzzles und Bechern können dies auch Schürzen, Schneidebretter und sogar Lebensmittel sein. So entstehen nicht nur Lieblingsalltagsgegenstände, sondern auch ausgesuchte Geschenke zur Geburtstag und Hochzeit. Mit einer derartigen zusätzlichen Serviceleistung gewinnen jetzt schon nicht nur kleinunternehmerische Produzenten ihre Kunden. Einfacher wird das Prozedere dank professioneller Anbieter, die mit Gutscheinen und Rabattmengen im Netz werben.

(Bildquelle: Pixabay.com – CC0 Public Domain)